Was Herzgesundheit mit Demenzprävention zu tun hat
Herz oder Hirn? Die meisten denken dabei an zwei verschiedene Baustellen. Aber wusstest du, dass dein Herz viel mehr mit deiner geistigen Fitness zu tun hat, als du denkst?
Ist Demenz mein Schicksaal?
Meine Mutter leidet an einer Demenz. Sie genießt Sonnenstrahlen auf ihrem Gesicht, den Blick auf das weite Meer und sie ruft: "Diese Stimme kenne ich doch!", wenn ich den Speisesaal der Demenzstation betrete. Wenn ich erwähne, dass ich ihre Tochter bin, sagt sie: "Das ist mir aber neu!"
Mein Mutter, meine Großmutter und meine Urgroßmutter hatten alle Demenz. Irgendwo rechne ich also auch für mich mit diesem Schicksal.
Trotzdem: Ich möchte alles tun, was ich kann, um eine Demenz zu vermeiden oder hinauszuzögern.
Meine Mutter leidet an einer gemischten Demenz. Das heißt die Demenz ist zum Teil durch eine Arterienverkalkung bedingt. Zum anderen Teil durch eine Alzheimer-Demenz. (Die Alzheimer-Demenz entsteht durch das Absterben von Gehirnzellen, das durch Eiweißablagerungen in den Gehirnzellen (Beta-Amyloid und Tau) verursacht wird. So ganz hat man das immer noch nicht verstanden).
Herz und Hirn sind ein Team
Dein Gehirn ist ein echtes Hochleistungsorgan. Es macht zwar nur etwa zwei Prozent deines Körpers aus, verbraucht aber rund 20 Prozent des Sauerstoffs, den dein Blut transportiert. Damit dieser Sauerstoff überhaupt ankommt, braucht es ein starkes Herz und gesunde Gefäße.
Wenn Herz und Gefäße geschwächt sind – zum Beispiel durch Bluthochdruck, Arteriosklerose oder Herzrhythmusstörungen – leidet die Durchblutung des Gehirns. Die Folge: Nervenzellen bekommen zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe. Das beschleunigt Alterungsprozesse im Gehirn und erhöht das Risiko für Demenz.
Das Herz als Frühwarnsystem
Erstaunlich: Viele Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind gleichzeitig Risikofaktoren für Demenz. Dazu gehören:
Wer diese Faktoren reduziert, tut also gleich doppelt Gutes für sich: fürs Herz und fürs Hirn. Klicke auf die unterstrichenen Risikofaktoren und erfahre ganz konkret welche kleinen Schritt zu großen Erfolgen führen!
5 Dinge, die dein Herz UND dein Gehirn lieben
Täglich bewegen – Spazierengehen, Fahrradfahren oder Gartenarbeit reichen schon. Hauptsache: regelmäßig. Auch das Elektro-Fahrad zählt. Die gleichmäßige Bewegung ist super fürs Hirn!
Mediterrane Küche genießen – viel Gemüse, Fisch, Olivenöl, Nüsse. Gut fürs Herz, gut für die grauen Zellen. Wer weniger als zweimal pro Woche Fisch isst, kann überlegen, ob Omega-Kapseln sinnvoll sind. Ich nehme vegane Omega-Kapseln, weil es bei uns selten Fisch gibt, da meine Tochter Fisch hasst. Auch ein Löffel Kokosfett pro Tag, könnte sich positiv auf das Gehirn auswirken. Ich rühre mir morgens und mittags einen halben Teelöffel Bio-Kokos-Öl in den Kaffee.
Blutdruck im Blick behalten – ideal unter 130/80 mmHg
Gehirn fordern, nicht überfordern – Lesen, Neues lernen, mit anderen sprechen. Beziehungen halten uns geistig fit. Und fantastisch ist es wenn wir uns mit Neuem fordern. Welches Abenteuer wartet von dir angegangen zu werden? Plane eine Fahrradtour. Oder wenn es etwas Großes sein soll lerne französisch, oder japanisch oder eine andere neue Sprache. Selbst ein neuer Weg zur Arbeit zählt!
Herzfreundlich entspannen – Achtsamkeit, Natur, Musik, Gespräche
Wechseljahre
Frauen, bei deren Eltern eine Demenz aufgetreten ist, sollten sich in den Wechseljahren mit ihrer Frauenärztin /Frauenarzt über eine körpereigene Hormontherapie beraten lassen. Es gibt Hinweis, das diese Hormontherapie sich bei Demenzrisiko günstig auswirken könnte. Aber das ist immer eine individuelle Entscheidung. Jedes Medikament hat auch unerwünschte Wirkungen und bringt eigene Risiken mit sich, daher sollte man sich mit einem Fachmann, der alle individuellen Faktoren berücksichtigt, gründlich beraten. Ich werde mich vermutlich für eine Hormontherapie entscheiden, aber alle Vorsorgeuntersuchungen, die meine Frauenärztin empfiehlt wahrnehmen (Unter anderem einmal jährlich Brustultraschall).
Schlafapnoe – ein unterschätztes Risiko fürs Gehirn
Schlafapnoe ist eine häufige, oft unbemerkte Atemstörung im Schlaf, bei der es zu kurzen Atemaussetzern kommt. Diese führen zu Sauerstoffmangel im Gehirn und stört den erholsamen Tiefschlaf. Studien zeigen, dass unbehandelte Schlafapnoe das Risiko für Gedächtnisprobleme und Demenz erhöhen kann.
Ja, man kann auch Atemaussetzer in der Nacht haben, wenn man prima schläft. Man merkt das nicht!
Ein einfacher Test kann Klarheit schaffen. Wenn du tagsüber sehr müde bist, schnarchst, unter Bluthochdruck leidest oder übergewichtig bist kannst du mit deiner Hausärztin/deinem Hausarzt sprechen, ob so ein Test für dich sinnvoll ist. Dann wird eine Überweisung zum HNO-Arzt oder Lungenarzt veranlasst. Mit einem kleinen Gerät, dass du beim Schlafen zuhause für einen Nacht trägst, kriegst du Klarheit. Schlafapnoe kann man behandeln. Das macht für deine Gesundheit und für deine Lebensqualität einen riesigen Unterschied aus, falls du betroffen bist.
Vitamin D und Demenz
Eine US-Studie (JAMA Neurology, 2014) errechnete, dass Menschen mit Vitamin-D-Mangel ein bis zu 2-fach höheres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Auf der anderen Seite gibt es keinen Beweis, dass Vitamin-D-Präparate Demenz verhindern können. Du könntest deinen Vitamin D-Spiegel im Winter kontrollieren lassen (das musst du allerdings selbst bezahlen). Wenn er erniedrigt ist, lass dich von deinem Arzt beraten, wie und wie lange du Vitamin D einnehmen sollst. Ich hatte tatsächlich einen erniedrigten Vitamin-D-Spiegel und nehme im Winter (von Oktober bis März) Vitamin D ein.
Cholesterin – auch im Kopf ein Thema
Cholesterin ist nicht nur für Herzinfarkte relevant – auch das Gehirn spielt mit. Es braucht Cholesterin, um Nervenzellen stabil zu halten und Signale zu übertragen. Doch zu viel "schlechtes" LDL-Cholesterin kann die Blutgefäße im Gehirn schädigen und so die Durchblutung und Versorgung der Nervenzellen beeinträchtigen. Studien zeigen, dass dauerhaft erhöhte Cholesterinwerte mit einem höheren Risiko für Demenz im Alter verbunden sein können. Umgekehrt können stabile, gesunde Cholesterinwerte helfen, das Gehirn langfristig fit zu halten.
Wenn du über 35 bist, hast du alle drei Jahre Anspruch auf einen kostenlosen Gesundheits-Check beim Hausarzt. Nutze diesen Termin um dich zu deinen Cholesterinwerten zu beraten zu lassen.
Gute Nachricht: Es ist nie zu spät
Egal, wie alt du bist oder wie fit du dich gerade fühlst – jeder Schritt zählt. Studien zeigen, dass sich das Risiko für Demenz deutlich senken lässt, wenn man Risikofaktoren reduziert. Also hinaus in die Natur! Schon regelmäßige Spaziergänge machen im Gehirn messbar einen Unterschied. Dein Herz wird es dir ohnehin danken.
Meine Mutter weiß nicht immer, dass ich ihre Tochter bin. Und doch kennt sie meine Stimme. Sie lebt im Augenblick – und zeigt mir, wie viel im Jetzt steckt.
Ich weiß nicht, was mich erwartet. Bewegung, gute Ernährung, Neugier, Lebensfreude und Selbstfürsorge können trotzdem nicht schaden.
Und wenn das alles nichts hilft?
Dann hoffe ich, dass ich später auch mal sagen kann: "Diese Stimme kenne ich doch!", wenn meine Kinder mich besuchen – und dass ich mich genauso herzlich über ein gutes Stück Kuchen freuen kann wie meine Mutter.
In diesem Sinne: Bleib neugierig, bleib in Bewegung – und denk dran, dein Herz schlägt auch für dein Hirn.